Ekaterina Samutsevitch, eine der drei verhafteten Mitglieder der Frauenband Pussy Riot war fünf Tage im Hungerstreik wegen des Drucks und der Verhöhnung durch ihre Zellengenossinnen. Die Anwälte erfuhren von dem Hungerstreik erst am Montag, als sich Mitarbeiter des Moskauer Untersuchungsgefängnisses Nr. 6 „Petchatniki“ geweigert hatten, von Ekaterinas Vater ein Päckchen mit Lebensmitteln entgegenzunehmen. Direkt darauf fuhren Mark Feygin und Violetta Volkova zu ihrer Mandantin und überredeten sie, den Hungerstreik aufzugeben. Von ihren Zellengenossinnen wurde die Inhaftierte auf ihre Bitte hin getrennt und in einer Einzelzelle untergebracht.
Wie die Anwälte gegenüber „Novaja Gazeta“ erzählten, hatte Samutsevitch ihre Zelle mit zwei Frauen im Alter von 40 und 50 Jahren geteilt, die für eindeutig kriminelle Straftatbestände einsitzen. Gegenüber „Izvestija“ sagte Volkova, dass sich um die junge Frau eine erdrückende und nervöse Atmosphäre gebildet hatte: Ihre Zellengenossinnen hatten für sie unerträgliche Haftbedingungen geschaffen. Sie beschuldigten sie aller Sünden und boykottierten sie.
Insbesondere sagten die Frauen zu Ekaterina: „Weil ihr, die Politischen, am 06. Mai, Lärm gemacht habt, gab es keine Amnestie für Strafgefangene zur Amtseinführung“. Ebenso wurde ihr vorgeworfen, dass sie über ihre Anwälte Journalisten Einzelheiten über die Fälle ihrer Zellengenossinnen zukommen lasse. Sie haben ihr eindringlich empfohlen, ihre Schuld zuzugeben, dass sie an einer rowdyhaften Handlung einer Gruppe von Personen nach vorheriger Absprache (§ 213 II StGB RF, wofür bis zu sieben Jahre Haft drohen) beteiligt gewesen sei – das ist exakt das, was ihr die Ermittlungsbehörden vorwerfen.
Nach Informationen der „Novaja Gazeta“ könnte die Verwaltung des Untersuchungsgefängnisses auf diese Art durch die Zellengenossinen Druck auf Samutsevitch ausüben. Diese Vermutung wird auch durch die Angaben der Anwältin gestützt – es gibt keine objektiven Gründe für einen Konflikt zwischen den Zellengenossinnen und Ekaterina. Insbesondere tauchten nach Worten Volkovas dank der Verteidiger der neuen Inhaftierten ein Fernseher und ein Kühlschrank in der Zelle auf.
Wir erinnern daran, dass die Verwaltung des Untersuchungsgefängnisses Samutsevitch für eine unordentlich hingelegte Bettdecke einen Tadel ausgesprochen hatte […]
Ein weiterer Grund für den Hungerstreik von Ekaterina Samutsevitch (und anscheinend der Hauptgrund) ist die Weigerung des Moskauer Stadtgerichtes vom 11. Mai, die Untersuchungshaft gegen sie und die beiden anderen Mitglieder von Pussy Riot, Nadezhda Tolokonnikova und Marija Alechina, in eine andere Maßnahme wir Residenzpflicht oder Hausarrest umzuwandeln; stattdessen wurde die Untersuchungshaft bis zum 24. Juni verlängert. Samutsevitch hält diese Entscheidung für ungerecht und die Fortführung des Straffalles für illegal. […]
„Novaja Gazeta“ erklärt besonders, dass die Gefängnisverwaltung das Gesetzt nicht verletzt habe, als sie die Anwälte nicht über den Hungerstreik der Inhaftierten informiert hatte. Nach dem Gesetzt müsse das nur dem Staatsanwalt mitgeteilt werden. […]
http://www.newsru.com/russia/22may2012/riothunger.html
