28 мая 2012 в 21:19
Vielleicht werden die Frauen auch noch wegen Extremismus angeklagt
Das zweite psychologisch-linguistische Gutachten hat in den Handlungen der Frauen der Band Pussy Riot keine Anzeichen festgestellt, das Hass oder Feindseligkeiten gegenüber bestimmten sozialen Gruppen geweckt worden seien – das sagte Mark Feygin, Anwalt der Frauen, gegenüber „MK“. Danach wurde ein drittes Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse den ersten beiden komplett entgegenstehen. Nachdem der Ermittler Rantchenkov dieses Ergebnis erhalten hat, will er die Ermittlungen beenden; das soll in einer Woche geschehen. Zusätzlich will er noch eine Anfrage an das Ermittlungskomitee stellen mit der Bitte, die Handlungen von Pussy Riot noch auf den Tatbestand des § 282 (Extremismus) zu überprüfen.
Nach den Worten von Mark Feygin wurde das zweite Gutachten vom 06. April bis zum 16. Mai von Mitarbeitern des berühmten Zentrums CIAT (Zentrum für Informations- und Analysetechnologien) durchgeführt. In dem Gutachten gab es vier Fragestellungen. Die Experten haben den Punkgottesdienst aus vier Blickwinkeln untersucht: Die Handlungen der Frauen direkt in der Kathedrale, den geschnittenen Videoclip, die Einträge im LiveJournal der Band Pussy Riot und die Kommentare der Nutzer dazu. Den Experten wurden vier Fragen vorgelegt. Die erste lautete: Gibt es in den vorgelegten Materialien Anzeichen für die Aufstachelung zu Streit, Feindschaft oder Hass gegenüber einer sozialen Gruppe (Gläubige, Christen, Kirchenmitarbeiter). Die zweite Frage zielte darauf ab, ob es Anzeichen für die Propagierung der Minderwertigkeit dieser Gruppen aufgrund religiöser Merkmale gibt; die dritte darauf, ob es Anzeichen für die Beleidigung oder Erniedrigung orthodoxer Gläubiger gibt; die vierte, ob es Anzeichen für eine feindselige Haltung gegenüber der orthodoxen Religion oder den Gläubigen gibt.
Alle Fragen haben die Experten mit „Nein“ beantwortet. Das einzige, was sie gefunden haben, sind Anhaltspunkte für die Punkte 1, 3 und 4 in den Kommentaren der Nutzer der Seite von Pussy Riot.
Anscheinend unzufrieden mit dieser Entwicklung hat der Ermittler noch ein drittes psycho-linguistisches Gutachten in Auftrag gegeben, das vom 14. bis zum 23. Mai durchgeführt wurde, was recht eilig ist, wie Feygin anmerkte. An diesem Gutachten waren drei Experten beteiligt, einer vom Gorki-Institut für Weltliteratur, ein zweiter vom Institut für staatlich-konfessionelle Beziehungen und Recht und ein dritter vom Institut für psychologisch-pädagogische Kindheitsprobleme der Russischen Akademie für Bildung. Dieses Mal waren die Antworten auf vergleichbare Fragen diametral entgegengesetzt. Die Experten wurden gefragt, ob die Handlungen der Frauen als grobe Verletzung der öffentlichen Ordnung und allgemein anerkannter Normen gewertet werden können, ob diese Handlungen aus Motiven religiösen Hasses oder Feindseligkeit oder aus Motiven des Hasses gegenüber einer sozialen Gruppe begangen werden können und ob dafür ein einheitlicher Handlungsvorsatz ausreicht. Alle Fragen beantworteten die Experten mit „Ja“. Der Anwalt hält dieses Gutachten für bestellt.
Nach diesen Ergebnissen hat der Ermittler im Fall Pussy Riot vor, die Ermittlungstätigkeiten zu beenden – das kann schon in einer Woche Anfang Juni geschehen. Danach werden die Unterlagen der Verteidigung übergeben. „Wir werden uns nicht hetzen lassen, wie die Ermittler uns das aufdrängen wollen, wir werden ein eigenes Gutachten durchführen. Ich denke, aktive Handlungen in dem Fall werden im September beginnen“, sagte Mark Feygin.
Weiter merkte er an, dass Nadezhda Tolokonnikova für zurechnungsfähig erklärt wurde und dass der Ermittler Rantchenkov vorhabe, die Ermittlungsunterlagen für eine zusätzlich Prüfung an das Ermittlungskomitee zu reichen mit der Bitte, die Handlungen der Frauen auf den § 282 (Extremismus) zu überprüfen. Allerdings zweifelt Feygin am Erfolg dieses Vorhabens, seiner Meinung nach werde das Ermittlungskomitee nicht „die Bürde zweier entlastender Gutachten auf sich nehmen“.
www.mk.ru/social/article/2012/05/28/708656-sledstvie-po-delu-pussy-riot-...
