Das Leitmotiv der Teilnehmerinnen des Punkgebetes in der Christi-Erlöser-Kathedrale war politischer Protest, und nicht Feindschaft und Hass gegenüber den Orthodoxen, das erklärten die Angeklagten im Fall Pussy Riot am Montag.

„Die Anklage ignoriert unser Motiv und versucht unseren Auftritt darzustellen als sei er aus den Motiven Hass und Feindschaft geschehen“, sagte Nadezhda Tolokonnikova.

Der tatsächliche Grund für die Protestaktion war nach ihren Worten unter anderen  die Ankündigung des Ämtertausches in der Führung, als auf einem Kongress von „Einiges Russland“ im September 2011 Vladimir Putin erklärte, dass er an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen und im Fall seines Sieges Dmitrij Medvedev für das Amts des Premierministers vorschlagen werde.

Genau danach wurde nach Tolokonnikovas Angaben die Band gegründet.

Eine ähnliche Haltung erklärte auch die andere Angeklagte Marija Alechina.

„Ermittler und Gericht bemühen sich, die politische Komponente aus unserem Protest zu entfernen, aber sie ist davon untrennbar“, zitiert ihre Worte Jurij Maloverjan, Korrespondent der russischen BBC, in seinem Twitter.

Weiter erklären die Beschuldigten, dass sie mit der Erstellung und Verbreitung des Videoclips, auf den sich die Ermittler in dem Fall des Punkgebetes in der Christi-Erlöser-Kathedrale stützen, nichts zu tun hätten.

Am Montag wurde die Anhörung in der Sache im Moskauer Chamovnikij-Gericht fortgesetzt. Dies ist bereits der sechste Tag des Prozesses.

Die Angeklagten wiesen den Vorwurf des Rowdytums zurück und die Anwälte stellten den siebten Befangenheitsantrag gegen die Richterin Marina Syrova, die der Verhandlung vorsitzt.

Die Richterin wies den Befangenheitsantrag zurück.

Wie auch in den letzten Tagen konnte der Saal auch am 06. August nicht alle fassen, die den Prozess beobachten wollten.

Diese Gerichtsverhandlung hat nicht nur Prozessbeteiligte und Journalisten angezogen, sondern auch ausländische Politiker.  Insbesondere nahm an der Verhandlung Kerry McCarthy von der Labour Partei teil.

Die Sitzung begann mit der Erörterung der Ergebnisse des Gutachtens über die Aktion, die von den Anwälten der Angeklagten bestritten wurden.

Insbesondere stellte Violetta Volkova, Verteidigerin von Ekaterina Samutsevitch, einen Punkt des Expertenergebnisses in Frage, der das Geschehen als  „grausame Verunglimpfung und Verspottung der sozialen Gruppe der Gläubigen“ charakterisierte.

Ebenso kritisierte Volkova den Verweis der Experten auf die Regeln kirchlicher Synoden. „Ich verstehe nicht, wie man den Inhalt dieser Dokumente auf die gegenwärtige Welt erstrecken will“, erklärte die Anwältin.

Nadezhda Tolokonnikovas Anwalt Mark Feygin lenkte die Aufmerksamkeit des Gerichtes darauf, dass der Gutachter Igor Ponkin, dessen Schlussfolgerungen im Prozess genutzt werden, mit Michail Kuznetsov, Anwalt der Geschädigten, bekannt ist.

Nach Angaben Feygins hatten sie gemeinsam das Buch „Über das Recht auf eine kritische Bewertung der Homosexualität“ geschrieben.

Im Übrigen wies Aleksej Taratuchin, Anwalt der Geschädigten darauf hin, dass die Bekanntschaft zwischen Anwalt und Gutachter keine Rolle spiele.

Als die Angeklagten das Wort bekamen, hatten sie ebenfalls viele Fragen an die Gutachter.

So erklärte Tolokonnikova, dass die Teilnehmerinnen an der Aktion nicht den Vorsatz hatten, sich über die Gläubigen lustig zu machen, wie in dem Gutachten behauptet wird.

Die Anwältin Larissa Pavlovna setze den Einwänden der Angeklagten und Verteidiger entgegen, dass, falls es in dieser Hinsicht Zweifel gäbe, diese noch in der Phase der Ermittlungen hätten geklärt werden müssen.

Im Ergebnis lehnte die Richterin Marina Syrova es ab, die Unterlagen der Verteidigung über die Zusammenarbeit zwischen Ponkin und Kuznetsov zu den Akten zu nehmen und wies den Antrag Volkovas auf Befragung der Experten zurück.

Vorher hatten Journalisten, die bei den Verhandlungen im Fall des Punkgebetes anwesend waren, an den Föderationsdienst der Gerichtsdiener eine Beschwerde über das Verhalten der Mitarbeiter, die für die Sicherheit im Chamovnikij-Gericht verantwortlich sind, gereicht.

Wie der Pressedienst der Einrichtung mitteilte, wurde am Montag eine Sonderkommission zur Überprüfung dieser Beschwerden ins Chamovnikij-Gericht gesandt.

Das Ziel dieser Kommission sei laut Pressedienst eine Überprüfung, dass die Handlungen der Gerichtsdiener gesetzmäßig seien.

In der Einreichung der Journalisten heißt es, dass die Gerichtsdiener gedroht hätten, den Diensthund, einen Rottweiler, der ununterbrochen im Gerichtssaal war, auf die Journalisten loszulassen.

Am Montag war der Rottweiler durch einen Schäferhund ersetzt worden.

 

http://www.bbc.co.uk/russian/russia/2012/08/120806_pussy_riot_day_six.shtml